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Gemein­sa­me Pres­se­mit­tei­lung der exter­nen Exper­ten des Coro­na-Papiers aus dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern

Mo 11. Mai. 2020 | Wissenschaft und Forschung

Gemein­sa­me Pres­se­mit­tei­lung der exter­nen Exper­ten des Coro­na-Papiers aus dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern

11.05.2020

Mit Ver­wun­de­rung neh­men wir, die an der Erstel­lung des besag­ten Coro­na-Papiers bera­tend betei­lig­ten Ärz­te und Wissenschaftler/​Wis­sen­schaft­le­rin­nen, die Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des Innern (BMI) vom 10. Mai:

„Mit­ar­bei­ter des BMI ver­brei­tet Pri­vat­mei­nung zum Coro­na-Kri­sen­ma­nage­ment Aus­ar­bei­tung erfolg­te außer­halb der Zustän­dig­keit sowie ohne Auf­trag und Autorisierung“

zur Kennt­nis. Das Minis­te­ri­um schreibt in die­ser Pres­se­mit­tei­lung: „Die Aus­ar­bei­tung erfolg­te nach bis­he­ri­ger Kennt­nis auch unter Betei­li­gung Drit­ter, außer­halb des BMI.“ Wir gehen davon aus, dass mit Drit­ter wir, die Unter­zeich­nen­den, gemeint sind.

Dazu neh­men wir wie folgt Stellung.

Wir set­zen vor­aus, dass das BMI ein gro­ßes Inter­es­se dar­an hat, dass sei­ne Spe­zia­lis­ten, denen die über­aus wich­ti­ge Auf­ga­be anver­traut ist, kri­sen­haf­te Ent­wick­lun­gen zu erken­nen und durch recht­zei­ti­ges War­nen Scha­den von Deutsch­land abzu­wen­den, sowohl mit kon­kre­tem Auf­trag han­deln als auch in Eigen­in­itia­ti­ve tätig wer­den. Der ent­spre­chen­de Mit­ar­bei­ter des BMI hat sich bei der Erstel­lung der Risi­ko­ana­ly­se zur Ein­schät­zung der medi­zi­ni­schen Kol­la­te­ral­schä­den durch die „Coro­na-Maß­nah­men“ im Wege einer fach­li­chen Anfra­ge an uns gewandt.

Getra­gen von der Ver­ant­wor­tung, unter­stütz­ten wir den enga­gier­ten BMI Mit­ar­bei­ter bei der Prü­fung die­ser essen­ti­el­len Fra­ge nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen, neben unse­rer eigent­li­chen beruf­li­chen Tätig­keit. Renom­mier­te Kol­le­gen und Kol­le­gin­nen, alle­samt her­vor­ra­gen­de Ver­tre­ter ihres Fachs, nah­men zu kon­kre­ten Fra­gen auf der Basis der ange­frag­ten Exper­ti­se sach­lich Stel­lung. Dar­aus resul­tier­te eine ers­te umfang­rei­che Ein­schät­zung der bereits ein­ge­tre­te­nen sowie der dro­hen­den medi­zi­ni­schen Schä­den, ein­schließ­lich zu erwar­ten­der Todesfälle.

Der BMI Mit­ar­bei­ter hat anhand unse­rer Arbeit eine Ein­schät­zung vor­ge­nom­men und das Ergeb­nis an die zustän­di­gen Stel­len wei­ter­ge­lei­tet. Sie fin­den das betref­fen­de Doku­ment im Anhang die­ser Pres­se­mit­tei­lung. Dass dies auf­grund der Kür­ze der Zeit nur der Anfang einer noch umfang­rei­che­ren Prü­fung sein kann, steht außer Fra­ge. Aber unse­re Ana­ly­se bie­tet unse­res Erach­tens eine gute Aus­gangs­la­ge für das BMI und die Innen­mi­nis­te­ri­en der Län­der, den mög­li­chen Nut­zen der Schutz­maß­nah­men gegen­über dem dadurch ver­ur­sach­ten Scha­den gut abzu­wä­gen. Unse­rer Auf­fas­sung nach müss­ten die adres­sier­ten Fach­be­am­ten auf­grund die­ses Papiers eine sofor­ti­ge Neu­be­wer­tung der Schutz­maß­nah­men ein­lei­ten, für die wir eben­falls unse­ren Rat anbieten.

In der Pres­se­mit­tei­lung gibt das BMI deut­lich zu erken­nen, dass es die­se Ana­ly­se jedoch nicht berück­sich­ti­gen wird. Es ist für uns nicht nach­voll­zieh­bar, dass das zustän­di­ge Bun­des­mi­nis­te­ri­um eine der­art wich­ti­ge Ein­schät­zung auf dem Boden umfas­sen­der fach­li­cher Exper­ti­se igno­rie­ren möch­te. Auf­grund des Erns­tes der Lage muss es dar­um gehen, sich mit den vor­lie­gen­den Sach­ar­gu­men­ten aus­ein­an­der­zu­setz­ten – unab­hän­gig von der Entstehungsgeschichte.

Des­halb fra­gen wir:

• Wie­so hat das BMI das Ansin­nen des Mit­ar­bei­ters nicht unter­stützt und wie­so bezieht das BMI die nun vor­lie­gen­de umfang­rei­che Ana­ly­se auf dem Boden fach­lich hoch­wer­ti­ger exter­ner Exper­ti­se nicht bei sei­ner Ein­schät­zung bezgl. des Ver­hält­nis­ses von Nut­zen und Scha­den der Coro­na-Schutz­maß­nah­men ein?

Das BMI schreibt wei­ter in sei­ner Pressemitteilung:
„Die Bun­des­re­gie­rung hat in Fol­ge der Coro­na-Infek­ti­ons­ge­fah­ren zum Schutz der Bevöl­ke­rung Maß­nah­men ergrif­fen. Die­se wer­den inner­halb der Bun­des­re­gie­rung fort­lau­fend abge­wo­gen und regel­mä­ßig mit den Minis­ter­prä­si­den­tin­nen und Minis­ter­prä­si­den­ten der Län­der abgestimmt.“

Wir bit­ten das BMI:
• uns zeit­nah mit­zu­tei­len, wie genau die­se Abwä­gung statt­fin­det. Wir bit­ten dies anhand von Daten, Fak­ten und Quel­len nach­zu­wei­sen. Ger­ne wür­den wir dies mit unse­rer Ana­ly­se ver­glei­chen. Ange­sichts der aktu­ell teil­wei­se kata­stro­pha­len Pati­en­ten­ver­sor­gung wären wir beru­higt, wenn die­se Ana­ly­se zu einer ande­ren Ein­schät­zung führt als der uns­ri­gen, was uns der­zeit jedoch schwer vor­stell­bar erscheint.

Des Wei­te­ren schreibt das BMI:
„Das Infek­ti­ons­ge­sche­hen in Deutsch­land ist im inter­na­tio­na­len Ver­gleich bis­lang eher nied­rig. Die ergrif­fe­nen Maß­nah­men wirken.“

In Über­ein­stim­mung mit der inter­na­tio­na­len Fach­li­te­ra­tur tei­len wir die­se Fest­stel­lung bzgl. der Wirk­sam­keit der Schutz­maß­nah­men nur bedingt. Wir bit­ten das BMI des­halb im Sin­ne der Transparenz:

• die Quel­len offen­zu­le­gen, nach denen es zu die­ser Fest­stel­lung kommt.

Fazit:
Ins­ge­samt haben wir auf Anfra­ge eines cou­ra­gier­ten Mit­ar­bei­ters des BMI die viel­fäl­ti­gen und schwe­ren uner­wünsch­ten Wir­kun­gen der Coro­na-Schutz­maß­nah­men im medi­zi­ni­schen Bereich auf­ge­zeigt und die­se sind gra­vie­rend. Für uns ergibt sich aus dem gesam­ten Vor­gang der Ein­druck, dass nach einer sicher schwie­ri­gen Anfangs­pha­se der Epi­de­mie nun die Risi­ken nicht im not­wen­di­gen Maß und ins­be­son­de­re nicht in einer umfas­sen­den Risi­ko­be­trach­tung bedacht wor­den sind. Bezüg­lich der Bericht­erstat­tung zu die­sem Vor­gang bit­ten wir dar­um, die inhalt­li­che Wer­tig­keit unse­rer Ana­ly­se in das Zen­trum zu stel­len, und über uns, in Amt und Per­son, der erns­ten Situa­ti­on ange­mes­sen zu berich­ten. Die durch das Coro­na­vi­rus SARS-CoV‑2 aus­ge­lös­te Erkran­kung Covid-19 ver­läuft für vie­le Men­schen der bekann­ten Risi­ko­grup­pen schwer­wie­gend. Wie für jede schwe­re Infek­ti­ons­er­kran­kung gilt es, für die Pati­en­ten die bes­te Behand­lung zu fin­den und Infek­ti­ons­we­ge zu unter­bin­den. Aber the­ra­peu­ti­sche und prä­ven­ti­ve Maß­nah­men dür­fen nie­mals schäd­li­cher sein als die Erkran­kung selbst. Ziel muss es sein, die Risi­ko­grup­pen zu schüt­zen, ohne die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung und die Gesund­heit der Gesamt­be­völ­ke­rung zu gefähr­den, so wie es gera­de lei­der geschieht. Wir in Wis­sen­schaft und Pra­xis sowie sehr vie­le Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen erle­ben täg­lich die Fol­ge­schä­den der Coro­na-Schutz­maß­nah­men an unse­ren Pati­en­ten. Wir for­dern des­halb das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern auf, zu unse­rer Pres­se­mit­tei­lung Stel­lung zu neh­men und hof­fen auf eine sach­dien­li­che Dis­kus­si­on, die hin­sicht­lich der Maß­nah­men zur best­mög­li­chen Lösung für die gesam­te Bevöl­ke­rung führt.

Gezeich­net:

Prof. Dr. Sucha­rit Bhak­di, Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor für Medi­zi­ni­sche Mikro­bio­lo­gie (im Ruhe­stand) Uni­ver­si­tät Mainz

Dr. med. Gun­ter Frank, Arzt für All­ge­mein­me­di­zin, Mit­glied der stän­di­gen Leit­li­ni­en­kom­mis­si­on der Deut­schen Gesell­schaft für Fami­li­en­me­di­zin und All­ge­mein­me­di­zin (DEGAM), Heidelberg

Prof. Dr. phil. Dr. rer. pol. Dipl.-Soz. Dr. Gun­nar Hein­sohn, Eme­ri­tus der Sozi­al­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Bremen

Prof. Dr. Ste­fan W. Hockertz, tpi con­sult GmbH, ehem. Direk­tor des Insti­tuts für Expe­ri­men­tel­le Phar­ma­ko­lo­gie und Toxi­ko­lo­gie am Uni­ver­si­täts­kran­ken­haus Eppendorf

Prof. Dr. Kari­na Reiß, Depart­ment of Der­ma­to­lo­gy and All­er­go­lo­gy Uni­ver­si­ty Hos­pi­tal Schleswig-Holstein

Prof. Dr. Peter Schirma­cher, Pro­fes­sor der Patho­lo­gie, Hei­del­berg, Mit­glied der Natio­na­len Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten Leopoldina

Prof. Dr. Andre­as Sön­nich­sen, Stellv. Cur­ri­cul­ums­di­rek­tor der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien Abtei­lung für All­ge­mein­me­di­zin und Fami­li­en­me­di­zin, Vor­sit­zen­der des Deut­schen Netz­werks Evi­denz­ba­sier­te Medi­zin (DNEbM)

Dr. med. Til Uebel, Nie­der­ge­las­se­ner Haus­arzt, Fach­arzt für All­ge­mein­me­di­zin, Dia­be­to­lo­gie, Not­fall­me­di­zin, Lehr­arzt des Insti­tu­tes für All­ge­mein­me­di­zin der Uni­ver­si­tät Würz­burg, aka­de­mi­sche Lehr­pra­xis der Uni­ver­si­tät Heidelberg

Prof. Dr. Dr. phil. Harald Wal­ach, Prof. Med. Uni­ver­si­tät Poz­nan, Abt. Päd­ia­tri­sche Gas­tro­en­te­ro­lo­gie, Gast­prof. Uni­ver­si­tät Wit­ten-Her­de­cke, Abt. Psychologie

Anhang:

KM 4 – 51000/29#2
Über­blick über die gesund­heit­li­chen Aus­wir­kun­gen (Schä­den) der staat­li­cher­seits ver­füg­ten Maß­nah­men und Beschrän­kun­gen in der Coro­na­kri­se 2020 (Stand: 7. Mai 2020 fin)

Metho­di­sche Vorbemerkungen

Auf­ge­führt sind Risi­ken, die heu­te von 10 hoch­ran­gi­gen Experten/​Wissenschaftler der jewei­li­gen Fach­rich­tun­gen für grund­sätz­lich plau­si­bel gehal­ten wor­den sind. Die Aus­wahl der Exper­ten erfolg­te zufäl­lig, das Ergeb­nis kann daher nicht reprä­sen­ta­tiv sein. Wich­tig für die künf­ti­ge sys­te­ma­ti­sche Erfas­sung von gesund­heit­li­chen Kol­la­te­ral­schä­den in der Pan­de­mie ist, min­des­tens Spe­zia­lis­ten der hier ein­be­zo­ge­nen wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen zu kon­sul­tie­ren. Anders ist eine rea­lis­ti­sche Gesamt-Bestands­auf­nah­me nicht möglich.

1. Todes­fäl­le
a. Auf­grund Ein­schrän­kun­gen der Kli­nik­ver­füg­bar­kei­ten (und Behand­lungs­mög­lich­kei­ten) ver­scho­be­ne oder abge­sag­te Ope­ra­tio­nen: Über alles betrach­tet hat­ten wir im Jahr 2018 ins­ge­samt ca. 17 Mio voll­sta­tio­nä­rer Pati­en­ten mit OPs. Das sind im Schnitt 1,4 Mio Pati­en­ten pro Monat. Im März und April wur­den 90% aller not­wen­di­ger OPs ver­scho­ben bzw. nicht durch­ge­führt. Das heißt 2,5 Mio Men­schen wur­den in Fol­ge der Regie­rungs­maß­nah­men nicht ver­sorgt. Also 2,5 Mio Pati­en­ten wur­den in März und April 2020 nicht ope­riert, obwohl dies nötig gewe­sen wäre. Die vor­aus­sicht­li­che Ster­be­ra­te lässt sich nicht seri­ös ein­zu­schät­zen; Ver­mu­tun­gen von Exper­ten gehen von Zah­len zwi­schen unter 5.000 und bis zu 125.000 Pati­en­ten aus, die auf­grund der ver­scho­be­nen OPs verster­ben werden/​schon verstarben.

b. Auf­grund Ein­schrän­kun­gen der Kli­nik­ver­füg­bar­kei­ten (und Behand­lungs­mög­lich­kei­ten) ver­scho­be­ne oder abge­sag­te Fol­ge­be­hand­lun­gen von (z.B. an Krebs, Schlag­an­fall oder Herz­in­farkt) Erkrank­ten: Die nega­ti­ven Wir­kun­gen von unter­bro­che­nen Ver­sor­gungs­struk­tu­ren bei Tumor­pa­ti­en­ten, sei­en es Krebs­nach­sor­ge oder auch unter­bro­che­ne Krebs­vor­sor­ge­pro­gram­me, wie beim Brust­krebs, lie­gen auf der Hand, denn die­se Maß­nah­men haben ja ihren Nut­zen in lan­gen Stu­di­en belegt und sind auf die­ser Basis ein­ge­rich­tet wor­den. Es ist auch hier von jähr­li­chen Behand­lungs­zah­len in Mil­lio­nen­hö­he aus­zu­ge­hen. In einem Teil der Fäl­le wer­den die Ver­füg­bar­keits­ein­schrän­kun­gen der Kli­ni­ken eben­falls zum vor­zei­ti­gen Verster­ben von Pati­en­ten füh­ren. Eine Pro­gno­se die­ses Effekts ist schwie­rig. Exper­ten, die sich dazu äußer­ten, gin­gen von bis zu meh­re­ren tau­send zusätz­li­chen Toten aus, die bereits in März und April 2020 ver­star­ben oder noch verster­ben werden.

c. Bei der Ver­sor­gung von Pfle­ge­be­dürf­ti­gen (in DEU ins­ge­samt 3,5 Mio. Men­schen) sinkt auf­grund von staat­lich ver­füg­ten Beschrän­kun­gen das Ver­sor­gungs­ni­veau und die Ver­sor­gungs­qua­li­tät (in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, bei ambu­lan­ten Pfle­ge­diens­ten sowie bei pri­vat /​inner­fa­mi­li­är durch­ge­führ­ter Pfle­ge). Da erwie­se­ner­ma­ßen das gute Pfle­ge­ni­veau in DEU vie­le Men­schen vor dem vor­zei­ti­gen Verster­ben bewahrt (das ist der Grund dafür, dass dafür so viel Geld auf­ge­wen­det wird), wird die im März und April 2020 erzwun­ge­ne Niveau­ab­sen­kung vor­zei­ti­ge Todes­fäl­len aus­ge­löst haben. Bei 3,5 Mio. Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wür­de eine zusätz­li­che Todes­ra­te von einem Zehn­tel Pro­zent zusätz­li­che 3.500 Tote aus­ma­chen. Ob es mehr oder weni­ger sind, ist man­gels genaue­rer Schät­zun­gen nicht bekannt.

d. Zunah­men von Sui­zi­den (bis­her durch­schn. 9.000 pro Jahr); Grün­de für die Zunah­me von Sui­zi­den: lan­ge­an­dau­ern­de erheb­li­che Beein­träch­ti­gung aller Lebens­be­din­gun­gen, die für psy­chisch insta­bi­le Per­sön­lich­kei­ten kri­tisch wer­den kön­nen; aber auch mit zahl­rei­chen Sui­zi­den als Reak­ti­on auf die wirt­schaft­li­che Ver­nich­tung von Exis­ten­zen ist zu rech­nen; diver­se Berufs­grup­pen, die sich ihrer Belas­tung durch die gesell­schaft­li­chen und per­sön­li­chen Ver­än­de­run­gen und ihrer per­sön­li­chen (Mit)Verantwortung nicht gewach­sen fühlen.

e. Zusätz­li­che Todes­fäl­le durch Herz­in­farkt und Schlag­an­fall
Über die letz­ten Jah­re und Jahr­zehn­te wur­den inte­grier­te Kon­zep­te ent­wi­ckelt, die erfolg­reich die Mor­bi­di­tät und Mor­ta­li­tät beein­flusst haben und dar­auf beru­hen, dass mög­lichst früh­zei­tig (im Krank­heits­ver­lauf), mög­lichst rasch (Zeit bis zur Ver­sor­gung) und mög­lichst kom­pe­tent eine Ver­sor­gung erfolgt. Die­se inter-sek­to­ra­len/-dis­zi­pli­nä­ren Ket­ten sind in viel­fa­cher Wei­se geschä­digt (ambu­lan­te Ver­sor­gung, Res­sour­cen­ent­zug) und lei­den auch maxi­mal dar­un­ter, dass bedingt durch ein­sei­ti­ge und über­trie­be­ne Infor­ma­ti­ons­po­li­tik die Betrof­fe­nen unbe­rech­tig­ter Wei­se Coro­na mehr als die­se Erkran­kun­gen fürch­ten und Warn­zei­chen unter­drü­cken und auch befürch­ten mit die­sen Erkran­kun­gen in der der­zei­ti­gen Coro­na-Fixie­rung im Kran­ken­haus nicht gut behan­delt zu wer­den. In Kon­se­quenz suchen der­zeit vie­le Betrof­fe­ne nicht/​zu spät den Arzt auf, was bei die­sen Erkran­kun­gen erhöh­te Mor­bi­di­tät, ver­schlech­ter­te Reha­bi­li­ta­ti­on und erhöh­te Mor­ta­li­tät bedeutet.

2. sons­ti­ge gesund­heit­li­che Schä­den (ver­bun­den mit Leid der Betrof­fe­nen und hohem Kos­ten­ef­fekt für die sozia­len Siche­rungs­sys­te­me, das Gesund­heits­sys­tem und den Arbeitsmarkt)

a) beson­ders in ihren Kon­tak­ten redu­zier­te alte/​pflegebedürftige Men­schen sind von den Maß­nah­men betrof­fen und lei­den viel­fach stark unter ihnen. Teils beein­träch­ti­gen die getrof­fe­nen Maß­nah­men (Grenz­schlie­ßun­gen, Qua­ran­tä­ne­re­ge­lun­gen, Kon­takt­ver­bo­te, etc.) die schon vor­her kri­ti­sche ambulante/​stationäre Betreu­ungs­si­tua­ti­on nega­tiv (damit auch die opti­ma­le Ver­sor­gung in Bezug auf Corona)

b) behand­lungs­be­dürf­ti­ge (schwe­re­re) Psy­cho­sen, Neu­ro­sen (Ängs­te, Zwangs­stö­run­gen, ..) auf­grund von lan­ge­an­dau­ern­de erheb­li­che Beein­träch­ti­gung aller Lebens­be­din­gun­gen, die für psy­chisch insta­bi­le Per­sön­lich­kei­ten Krank­heits­zu­stän­de aus­lö­sen wer­den; es sind lang­jäh­ri­ge medi­zi­ni­sche Behand­lun­gen und Reha­bi­li­ta­ti­ons­leis­tun­gen zur Kom­pen­sa­ti­on die­ser Beein­träch­ti­gun­gen nötig, es kommt zu gesund­heits­be­ding­ten Arbeits­aus­fäl­len. 1 bis 2% der deut­schen Gesamt­be­völ­ke­rung erle­ben min­des­tens ein­mal im Leben eine Psy­cho­se. Wenn eine Dis­po­si­ti­on oder Anfäl­lig­keit vor­liegt, besteht eine erhöh­te Wahr­schein­lich­keit, dass sich dies unter den Rah­men­be­din­gun­gen der Coro­na­kri­se manifestiert.

c) mehr Strei­tig­kei­ten und Kör­per­ver­let­zun­gen in Fol­ge von star­ken Kon­takt­be­gren­zun­gen und Kon­takt­ver­bo­te; Häus­li­che Gewalt, Kindesmissbrauch

d) ver­brei­te­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stö­run­gen (durch psy­chi­sche Effek­te, s.o., und auch z.B. durch den Zwang zur Tra­gen von Gesichts­mas­ken, durch die Ges­tik und Mimik als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel stark ein­ge­schränkt sind (führt zu Miss­ver­ständ­nis­sen, Misstrauen, …)

b) (abhän­gig von der wirtschaftlichen/​volkswirtschaftlichen Ent­wick­lung:) Ver­lust an Lebens­er­war­tung. Dies dürf­te lang­fris­tig zu einem grö­ße­ren Scha­den der Kri­se wer­den. Seit den 50er Jah­ren hat DEU auf­grund posi­ti­ver volks­wirt­schaft­li­cher Ent­wick­lung eine star­ke Erhö­hung der Lebens­er­war­tung rea­li­siert (um 13 bis 14 Jah­re län­ge­re durch­schnitt­li­che Lebens­zeit). Das per­ma­nent gestie­ge­ne Wohl­stands­ni­veau ermög­lich­te u.a. zuneh­mend auf­wen­di­ge Gesund­heits­vor­sor­ge und Pfle­ge. Bei stark nega­ti­ver wirt­schaft­li­cher Ent­wick­lung und einer ent­spre­chen­den Reduk­ti­on des Wohl­stands­ni­veaus geht die Ent­wick­lung in die ent­ge­gen gesetz­te Rich­tung: die Lebens­er­war­tung wird sin­ken. (Das RKI hat nach­ge­wie­sen, dass hohe Arbeits­lo­sig­keit die Lebens­er­war­tung senkt.) Bei über 80 Mio. Ein­woh­nern kann durch staat­li­che Schutz­maß­nah­men (nicht durch den Virus) ein ent­spre­chend hohes Volu­men an Lebens­jah­ren der Bevöl­ke­rung ver­nich­tet wor­den sein.

Den meis­ten o.g. Effek­ten ist gemein­sam, dass es auch nach Auf­he­bung der Beschrän­kun­gen sehr lan­ge dau­ern wird, bis die­se Maß­nah­men und Behand­lun­gen wie­der auf Vor­ni­veau lau­fen, da hier alle inein­an­der­grei­fen­den Glie­der wie­der funk­ti­ons­fä­hig sein müs­sen, die Res­sour­cen wie­der (rück-)alloziert wer­den müs­sen und auch das Ver­trau­en der Pati­en­ten wie­der­her­ge­stellt wer­den muss. Im Übri­gen kann es teil­wei­se gegen­läu­fi­ge, auf
den ers­ten Blick para­do­xe Reak­tio­nen, geben­Die Schä­di­gungs­pha­se wird daher vor­aus­sicht­lich wesent­lich län­ger andau­ern als die eigent­li­che Unter­bre­chung. Bei einer künf­tig ver­kürz­ten Lebens­er­war­tung setzt der Scha­den sogar erst in der Zukunft ein.

Da theo­re­tisch, zumin­dest par­ti­ell, auch mit gegen­läu­fi­gen Effek­ten gerech­net wer­den muss – also mit auf den ers­ten Blick para­do­xen Reak­tio­nen – , ist von genaue­ren zah­len­mä­ßi­gen Schät­zun­gen von zu erwar­ten­den Schad­fäl­len abge­se­hen wor­den. Mit den genann­ten Zah­len wer­den Grö­ßen­di­men­sio­nen aufgezeigt.

Pressemitteilung_​der_​externen_​Experten_​des_​BMI_​Corona_​Papiers

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