Gemeinsame Pressemitteilung der externen Experten des Corona-Papiers aus dem Bundesministerium des Innern

Mai 11, 2020 | Wissenschaft und Forschung

Gemein­same Pressemit­teilung der exter­nen Experten des Coro­na-Papiers aus dem Bun­desmin­is­teri­um des Innern

11.05.2020

Mit Ver­wun­derung nehmen wir, die an der Erstel­lung des besagten Coro­na-Papiers bera­tend beteiligten Ärzte und Wissenschaftler/ Wis­senschaft­lerin­nen, die Pressemit­teilung des Bun­desmin­is­teri­ums des Innern (BMI) vom 10. Mai:

„Mitar­beit­er des BMI ver­bre­it­et Pri­vat­mei­n­ung zum Coro­na-Krisen­man­age­ment Ausar­beitung erfol­gte außer­halb der Zuständigkeit sowie ohne Auf­trag und Autorisierung“

zur Ken­nt­nis. Das Min­is­teri­um schreibt in dieser Pressemit­teilung: „Die Ausar­beitung erfol­gte nach bish­eriger Ken­nt­nis auch unter Beteili­gung Drit­ter, außer­halb des BMI.“ Wir gehen davon aus, dass mit Drit­ter wir, die Unterze­ich­nen­den, gemeint sind.

Dazu nehmen wir wie fol­gt Stel­lung.

Wir set­zen voraus, dass das BMI ein großes Inter­esse daran hat, dass seine Spezial­is­ten, denen die über­aus wichtige Auf­gabe anver­traut ist, krisen­hafte Entwick­lun­gen zu erken­nen und durch rechtzeit­iges War­nen Schaden von Deutsch­land abzuwen­den, sowohl mit konkretem Auf­trag han­deln als auch in Eigenini­tia­tive tätig wer­den. Der entsprechende Mitar­beit­er des BMI hat sich bei der Erstel­lung der Risiko­analyse zur Ein­schätzung der medi­zinis­chen Kol­lat­er­alschä­den durch die „Coro­na-Maß­nah­men“ im Wege ein­er fach­lichen Anfrage an uns gewandt.

Getra­gen von der Ver­ant­wor­tung, unter­stützten wir den engagierten BMI Mitar­beit­er bei der Prü­fung dieser essen­tiellen Frage nach bestem Wis­sen und Gewis­sen, neben unser­er eigentlichen beru­flichen Tätigkeit. Renom­mierte Kol­le­gen und Kol­legin­nen, alle­samt her­vor­ra­gende Vertreter ihres Fachs, nah­men zu konkreten Fra­gen auf der Basis der ange­fragten Exper­tise sach­lich Stel­lung. Daraus resul­tierte eine erste umfan­gre­iche Ein­schätzung der bere­its einge­trete­nen sowie der dro­hen­den medi­zinis­chen Schä­den, ein­schließlich zu erwartender Todes­fälle.

Der BMI Mitar­beit­er hat anhand unser­er Arbeit eine Ein­schätzung vorgenom­men und das Ergeb­nis an die zuständi­gen Stellen weit­ergeleit­et. Sie find­en das betr­e­f­fende Doku­ment im Anhang dieser Pressemit­teilung. Dass dies auf­grund der Kürze der Zeit nur der Anfang ein­er noch umfan­gre­icheren Prü­fung sein kann, ste­ht außer Frage. Aber unsere Analyse bietet unseres Eracht­ens eine gute Aus­gangslage für das BMI und die Innen­min­is­te­rien der Län­der, den möglichen Nutzen der Schutz­maß­nah­men gegenüber dem dadurch verur­sacht­en Schaden gut abzuwä­gen. Unser­er Auf­fas­sung nach müssten die adressierten Fach­beamten auf­grund dieses Papiers eine sofor­tige Neube­w­er­tung der Schutz­maß­nah­men ein­leit­en, für die wir eben­falls unseren Rat anbi­eten.

In der Pressemit­teilung gibt das BMI deut­lich zu erken­nen, dass es diese Analyse jedoch nicht berück­sichti­gen wird. Es ist für uns nicht nachvol­lziehbar, dass das zuständi­ge Bun­desmin­is­teri­um eine der­art wichtige Ein­schätzung auf dem Boden umfassender fach­lich­er Exper­tise ignori­eren möchte. Auf­grund des Ern­stes der Lage muss es darum gehen, sich mit den vor­liegen­den Sachar­gu­menten auseinan­derzuset­zten – unab­hängig von der Entste­hungs­geschichte.

Deshalb fra­gen wir:

• Wieso hat das BMI das Ansin­nen des Mitar­beit­ers nicht unter­stützt und wieso bezieht das BMI die nun vor­liegende umfan­gre­iche Analyse auf dem Boden fach­lich hochw­er­tiger extern­er Exper­tise nicht bei sein­er Ein­schätzung bezgl. des Ver­hält­niss­es von Nutzen und Schaden der Coro­na-Schutz­maß­nah­men ein?

Das BMI schreibt weit­er in sein­er Pressemit­teilung:
„Die Bun­desregierung hat in Folge der Coro­na-Infek­tion­s­ge­fahren zum Schutz der Bevölkerung Maß­nah­men ergrif­f­en. Diese wer­den inner­halb der Bun­desregierung fort­laufend abge­wogen und regelmäßig mit den Min­is­ter­präsi­dentin­nen und Min­is­ter­präsi­den­ten der Län­der abges­timmt.“

Wir bit­ten das BMI:
• uns zeit­nah mitzuteilen, wie genau diese Abwä­gung stat­tfind­et. Wir bit­ten dies anhand von Dat­en, Fak­ten und Quellen nachzuweisen. Gerne wür­den wir dies mit unser­er Analyse ver­gle­ichen. Angesichts der aktuell teil­weise katas­trophalen Patien­ten­ver­sorgung wären wir beruhigt, wenn diese Analyse zu ein­er anderen Ein­schätzung führt als der unsri­gen, was uns derzeit jedoch schw­er vorstell­bar erscheint.

Des Weit­eren schreibt das BMI:
„Das Infek­tion­s­geschehen in Deutsch­land ist im inter­na­tionalen Ver­gle­ich bis­lang eher niedrig. Die ergrif­f­e­nen Maß­nah­men wirken.“

In Übere­in­stim­mung mit der inter­na­tionalen Fach­lit­er­atur teilen wir diese Fest­stel­lung bzgl. der Wirk­samkeit der Schutz­maß­nah­men nur bed­ingt. Wir bit­ten das BMI deshalb im Sinne der Trans­parenz:

• die Quellen offen­zule­gen, nach denen es zu dieser Fest­stel­lung kommt.

Faz­it:
Ins­ge­samt haben wir auf Anfrage eines couragierten Mitar­beit­ers des BMI die vielfälti­gen und schw­eren uner­wün­scht­en Wirkun­gen der Coro­na-Schutz­maß­nah­men im medi­zinis­chen Bere­ich aufgezeigt und diese sind gravierend. Für uns ergibt sich aus dem gesamten Vor­gang der Ein­druck, dass nach ein­er sich­er schwieri­gen Anfangsphase der Epi­demie nun die Risiken nicht im notwendi­gen Maß und ins­beson­dere nicht in ein­er umfassenden Risiko­be­tra­ch­tung bedacht wor­den sind. Bezüglich der Berichter­stat­tung zu diesem Vor­gang bit­ten wir darum, die inhaltliche Wer­tigkeit unser­er Analyse in das Zen­trum zu stellen, und über uns, in Amt und Per­son, der ern­sten Sit­u­a­tion angemessen zu bericht­en. Die durch das Coro­n­avirus SARS-CoV­‑2 aus­gelöste Erkrankung Covid-19 ver­läuft für viele Men­schen der bekan­nten Risiko­grup­pen schw­er­wiegend. Wie für jede schwere Infek­tion­serkrankung gilt es, für die Patien­ten die beste Behand­lung zu find­en und Infek­tion­swege zu unterbinden. Aber ther­a­peutis­che und präven­tive Maß­nah­men dür­fen niemals schädlich­er sein als die Erkrankung selb­st. Ziel muss es sein, die Risiko­grup­pen zu schützen, ohne die medi­zinis­che Ver­sorgung und die Gesund­heit der Gesamt­bevölkerung zu gefährden, so wie es ger­ade lei­der geschieht. Wir in Wis­senschaft und Prax­is sowie sehr viele Kol­legin­nen und Kol­le­gen erleben täglich die Folgeschä­den der Coro­na-Schutz­maß­nah­men an unseren Patien­ten. Wir fordern deshalb das Bun­desmin­is­teri­um des Innern auf, zu unser­er Pressemit­teilung Stel­lung zu nehmen und hof­fen auf eine sach­di­en­liche Diskus­sion, die hin­sichtlich der Maß­nah­men zur best­möglichen Lösung für die gesamte Bevölkerung führt.

Geze­ich­net:

Prof. Dr. Suchar­it Bhak­di, Uni­ver­sität­spro­fes­sor für Medi­zinis­che Mikro­bi­olo­gie (im Ruh­e­s­tand) Uni­ver­sität Mainz

Dr. med. Gunter Frank, Arzt für All­ge­mein­medi­zin, Mit­glied der ständi­gen Leitlin­ienkom­mis­sion der Deutschen Gesellschaft für Fam­i­lien­medi­zin und All­ge­mein­medi­zin (DEGAM), Hei­del­berg

Prof. Dr. phil. Dr. rer. pol. Dipl.-Soz. Dr. Gun­nar Hein­sohn, Emer­i­tus der Sozial­wis­senschaften der Uni­ver­sität Bre­men

Prof. Dr. Ste­fan W. Hock­ertz, tpi con­sult GmbH, ehem. Direk­tor des Insti­tuts für Exper­i­mentelle Phar­makolo­gie und Toxikolo­gie am Uni­ver­sität­skranken­haus Eppen­dorf

Prof. Dr. Kari­na Reiß, Depart­ment of Der­ma­tol­ogy and Aller­gol­o­gy Uni­ver­si­ty Hos­pi­tal Schleswig-Hol­stein

Prof. Dr. Peter Schir­ma­ch­er, Pro­fes­sor der Patholo­gie, Hei­del­berg, Mit­glied der Nationalen Akademie der Wis­senschaften Leopold­ina

Prof. Dr. Andreas Sön­nich­sen, Stel­lv. Cur­ricu­lums­di­rek­tor der Medi­zinis­chen Uni­ver­sität Wien Abteilung für All­ge­mein­medi­zin und Fam­i­lien­medi­zin, Vor­sitzen­der des Deutschen Net­zw­erks Evi­denzbasierte Medi­zin (DNEbM)

Dr. med. Til Uebel, Niederge­lassen­er Hausarzt, Facharzt für All­ge­mein­medi­zin, Dia­betolo­gie, Not­fallmedi­zin, Lehrarzt des Insti­tutes für All­ge­mein­medi­zin der Uni­ver­sität Würzburg, akademis­che Lehrprax­is der Uni­ver­sität Hei­del­berg

Prof. Dr. Dr. phil. Har­ald Walach, Prof. Med. Uni­ver­sität Poz­nan, Abt. Pädi­a­trische Gas­troen­terolo­gie, Gast­prof. Uni­ver­sität Wit­ten-Herdecke, Abt. Psy­cholo­gie

Anhang:

KM 4 – 51000/29#2
Überblick über die gesund­heitlichen Auswirkun­gen (Schä­den) der staatlich­er­seits ver­fügten Maß­nah­men und Beschränkun­gen in der Coro­n­akrise 2020 (Stand: 7. Mai 2020 fin)

Method­is­che Vorbe­merkun­gen

Aufge­führt sind Risiken, die heute von 10 hochrangi­gen Experten/Wissenschaftler der jew­eili­gen Fachrich­tun­gen für grund­sät­zlich plau­si­bel gehal­ten wor­den sind. Die Auswahl der Experten erfol­gte zufäl­lig, das Ergeb­nis kann daher nicht repräsen­ta­tiv sein. Wichtig für die kün­ftige sys­tem­a­tis­che Erfas­sung von gesund­heitlichen Kol­lat­er­alschä­den in der Pan­demie ist, min­destens Spezial­is­ten der hier ein­be­zo­ge­nen wis­senschaftlichen Diszi­plinen zu kon­sul­tieren. Anders ist eine real­is­tis­che Gesamt-Bestand­sauf­nahme nicht möglich.

1. Todes­fälle
a. Auf­grund Ein­schränkun­gen der Klinikver­füg­barkeit­en (und Behand­lungsmöglichkeit­en) ver­schobene oder abge­sagte Oper­a­tio­nen: Über alles betra­chtet hat­ten wir im Jahr 2018 ins­ge­samt ca. 17 Mio voll­sta­tionär­er Patien­ten mit OPs. Das sind im Schnitt 1,4 Mio Patien­ten pro Monat. Im März und April wur­den 90% aller notwendi­ger OPs ver­schoben bzw. nicht durchge­führt. Das heißt 2,5 Mio Men­schen wur­den in Folge der Regierungs­maß­nah­men nicht ver­sorgt. Also 2,5 Mio Patien­ten wur­den in März und April 2020 nicht operiert, obwohl dies nötig gewe­sen wäre. Die voraus­sichtliche Ster­ber­ate lässt sich nicht ser­iös einzuschätzen; Ver­mu­tun­gen von Experten gehen von Zahlen zwis­chen unter 5.000 und bis zu 125.000 Patien­ten aus, die auf­grund der ver­schobe­nen OPs ver­ster­ben werden/schon ver­star­ben.

b. Auf­grund Ein­schränkun­gen der Klinikver­füg­barkeit­en (und Behand­lungsmöglichkeit­en) ver­schobene oder abge­sagte Fol­ge­be­hand­lun­gen von (z.B. an Krebs, Schla­gan­fall oder Herz­in­farkt) Erkrank­ten: Die neg­a­tiv­en Wirkun­gen von unter­broch­enen Ver­sorgungsstruk­turen bei Tumor­pa­tien­ten, seien es Kreb­snach­sorge oder auch unter­broch­ene Kreb­svor­sorge­pro­gramme, wie beim Brustkrebs, liegen auf der Hand, denn diese Maß­nah­men haben ja ihren Nutzen in lan­gen Stu­di­en belegt und sind auf dieser Basis ein­gerichtet wor­den. Es ist auch hier von jährlichen Behand­lungszahlen in Mil­lio­nen­höhe auszuge­hen. In einem Teil der Fälle wer­den die Ver­füg­barkeit­sein­schränkun­gen der Kliniken eben­falls zum vorzeit­i­gen Ver­ster­ben von Patien­ten führen. Eine Prog­nose dieses Effek­ts ist schwierig. Experten, die sich dazu äußerten, gin­gen von bis zu mehreren tausend zusät­zlichen Toten aus, die bere­its in März und April 2020 ver­star­ben oder noch ver­ster­ben wer­den.

c. Bei der Ver­sorgung von Pflegebedürfti­gen (in DEU ins­ge­samt 3,5 Mio. Men­schen) sinkt auf­grund von staatlich ver­fügten Beschränkun­gen das Ver­sorgungsniveau und die Ver­sorgungsqual­ität (in Pflegeein­rich­tun­gen, bei ambu­lanten Pflege­di­en­sten sowie bei pri­vat / inner­famil­iär durchge­führter Pflege). Da erwiesen­er­maßen das gute Pfle­geniveau in DEU viele Men­schen vor dem vorzeit­i­gen Ver­ster­ben bewahrt (das ist der Grund dafür, dass dafür so viel Geld aufgewen­det wird), wird die im März und April 2020 erzwun­gene Niveauab­senkung vorzeit­ige Todes­fällen aus­gelöst haben. Bei 3,5 Mio. Pflegebedürfti­gen würde eine zusät­zliche Todesrate von einem Zehn­tel Prozent zusät­zliche 3.500 Tote aus­machen. Ob es mehr oder weniger sind, ist man­gels genauer­er Schätzun­gen nicht bekan­nt.

d. Zunah­men von Suiziden (bish­er durch­schn. 9.000 pro Jahr); Gründe für die Zunahme von Suiziden: lange­an­dauernde erhe­bliche Beein­träch­ti­gung aller Lebens­be­din­gun­gen, die für psy­chisch insta­bile Per­sön­lichkeit­en kri­tisch wer­den kön­nen; aber auch mit zahlre­ichen Suiziden als Reak­tion auf die wirtschaftliche Ver­nich­tung von Exis­ten­zen ist zu rech­nen; diverse Beruf­s­grup­pen, die sich ihrer Belas­tung durch die gesellschaftlichen und per­sön­lichen Verän­derun­gen und ihrer per­sön­lichen (Mit)Verantwortung nicht gewach­sen fühlen.

e. Zusät­zliche Todes­fälle durch Herz­in­farkt und Schla­gan­fall
Über die let­zten Jahre und Jahrzehnte wur­den inte­gri­erte Konzepte entwick­elt, die erfol­gre­ich die Mor­bid­ität und Mor­tal­ität bee­in­flusst haben und darauf beruhen, dass möglichst frühzeit­ig (im Krankheitsver­lauf), möglichst rasch (Zeit bis zur Ver­sorgung) und möglichst kom­pe­tent eine Ver­sorgung erfol­gt. Diese inter-sek­toralen/-diszi­plinären Ket­ten sind in vielfach­er Weise geschädigt (ambu­lante Ver­sorgung, Ressource­nentzug) und lei­den auch max­i­mal darunter, dass bed­ingt durch ein­seit­ige und über­triebene Infor­ma­tion­spoli­tik die Betrof­fe­nen unberechtigter Weise Coro­na mehr als diese Erkrankun­gen fürcht­en und Warnze­ichen unter­drück­en und auch befürcht­en mit diesen Erkrankun­gen in der derzeit­i­gen Coro­na-Fix­ierung im Kranken­haus nicht gut behan­delt zu wer­den. In Kon­se­quenz suchen derzeit viele Betrof­fene nicht/zu spät den Arzt auf, was bei diesen Erkrankun­gen erhöhte Mor­bid­ität, ver­schlechterte Reha­bil­i­ta­tion und erhöhte Mor­tal­ität bedeutet.

2. son­stige gesund­heitliche Schä­den (ver­bun­den mit Leid der Betrof­fe­nen und hohem Kosten­ef­fekt für die sozialen Sicherungssys­teme, das Gesund­heitssys­tem und den Arbeits­markt)

a) beson­ders in ihren Kon­tak­ten reduzierte alte/pflegebedürftige Men­schen sind von den Maß­nah­men betrof­fen und lei­den vielfach stark unter ihnen. Teils beein­trächti­gen die getrof­fe­nen Maß­nah­men (Gren­zschließun­gen, Quar­an­täneregelun­gen, Kon­tak­tver­bote, etc.) die schon vorher kri­tis­che ambulante/stationäre Betreu­ungssi­t­u­a­tion neg­a­tiv (damit auch die opti­male Ver­sorgung in Bezug auf Coro­na)

b) behand­lungs­bedürftige (schw­erere) Psy­cho­sen, Neu­rosen (Äng­ste, Zwangsstörun­gen, ..) auf­grund von lange­an­dauernde erhe­bliche Beein­träch­ti­gung aller Lebens­be­din­gun­gen, die für psy­chisch insta­bile Per­sön­lichkeit­en Krankheit­szustände aus­lösen wer­den; es sind langjährige medi­zinis­che Behand­lun­gen und Reha­bil­i­ta­tion­sleis­tun­gen zur Kom­pen­sa­tion dieser Beein­träch­ti­gun­gen nötig, es kommt zu gesund­heits­be­d­ingten Arbeit­saus­fällen. 1 bis 2% der deutschen Gesamt­bevölkerung erleben min­destens ein­mal im Leben eine Psy­chose. Wenn eine Dis­po­si­tion oder Anfäl­ligkeit vor­liegt, beste­ht eine erhöhte Wahrschein­lichkeit, dass sich dies unter den Rah­menbe­din­gun­gen der Coro­n­akrise man­i­festiert.

c) mehr Stre­it­igkeit­en und Kör­per­ver­let­zun­gen in Folge von starken Kon­tak­t­be­gren­zun­gen und Kon­tak­tver­bote; Häus­liche Gewalt, Kindesmiss­brauch

d) ver­bre­it­ete Kom­mu­nika­tion­sstörun­gen (durch psy­chis­che Effek­te, s.o., und auch z.B. durch den Zwang zur Tra­gen von Gesichts­masken, durch die Gestik und Mimik als Kom­mu­nika­tion­s­mit­tel stark eingeschränkt sind (führt zu Missver­ständ­nis­sen, Mis­strauen, …)

b) (abhängig von der wirtschaftlichen/volkswirtschaftlichen Entwick­lung:) Ver­lust an Lebenser­wartung. Dies dürfte langfristig zu einem größeren Schaden der Krise wer­den. Seit den 50er Jahren hat DEU auf­grund pos­i­tiv­er volk­swirtschaftlich­er Entwick­lung eine starke Erhöhung der Lebenser­wartung real­isiert (um 13 bis 14 Jahre län­gere durch­schnit­tliche Leben­szeit). Das per­ma­nent gestiegene Wohl­stand­sniveau ermöglichte u.a. zunehmend aufwendi­ge Gesund­heitsvor­sorge und Pflege. Bei stark neg­a­tiv­er wirtschaftlich­er Entwick­lung und ein­er entsprechen­den Reduk­tion des Wohl­stand­sniveaus geht die Entwick­lung in die ent­ge­gen geset­zte Rich­tung: die Lebenser­wartung wird sinken. (Das RKI hat nachgewiesen, dass hohe Arbeit­slosigkeit die Lebenser­wartung senkt.) Bei über 80 Mio. Ein­wohn­ern kann durch staatliche Schutz­maß­nah­men (nicht durch den Virus) ein entsprechend hohes Vol­u­men an Leben­s­jahren der Bevölkerung ver­nichtet wor­den sein.

Den meis­ten o.g. Effek­ten ist gemein­sam, dass es auch nach Aufhe­bung der Beschränkun­gen sehr lange dauern wird, bis diese Maß­nah­men und Behand­lun­gen wieder auf Vor­niveau laufen, da hier alle ineinan­der­greifend­en Glieder wieder funk­tions­fähig sein müssen, die Ressourcen wieder (rück-)alloziert wer­den müssen und auch das Ver­trauen der Patien­ten wieder­hergestellt wer­den muss. Im Übri­gen kann es teil­weise gegen­läu­fige, auf
den ersten Blick para­doxe Reak­tio­nen, gebenDie Schädi­gungsphase wird daher voraus­sichtlich wesentlich länger andauern als die eigentliche Unter­brechung. Bei ein­er kün­ftig verkürzten Lebenser­wartung set­zt der Schaden sog­ar erst in der Zukun­ft ein.

Da the­o­retisch, zumin­d­est par­tiell, auch mit gegen­läu­fi­gen Effek­ten gerech­net wer­den muss – also mit auf den ersten Blick para­dox­en Reak­tio­nen – , ist von genaueren zahlen­mäßi­gen Schätzun­gen von zu erwartenden Schad­fällen abge­se­hen wor­den. Mit den genan­nten Zahlen wer­den Größendi­men­sio­nen aufgezeigt.

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