Wider den Kampagnenjournalismus

Mi 5. Mai. 2021 | Politik und Medien, Angepinnt

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Quelle: tichyseinblick.de

Ganz so blöd ist das Volk vielle­icht doch nicht, wie die Herrschen­den es von Alters her so gerne hät­ten. Während viele Jour­nal­is­ten sich immer mehr auf Kam­pag­nen spezial­isieren, wird ander­er­seits klar, dass immer mehr Men­schen sich nicht mund­tot machen lassen.

Nur eine halbe Stunde Autora­dio, und man hat die Monats-Ration Herz­schlag-Gefährdung bere­its intus. Ein Berlin­er Jüngling berichtet, wie schreck­lich es sei, einen bes­timmten Namen zu tra­gen. Auf den Schul­höfen hät­ten sich bedrohliche und aus­gren­zende Kreise um ihn gebildet. Dabei sei seine Fam­i­lie doch so harm­los und es sei völ­lig irrig, was man an Vorurteilen über­all liest.

Im Beitrag danach dann eine Sprecherin der Ade­nauer-Stiftung — ich fragte ja schon mal in TE, warum Kon­rads Erben nicht endlich den Namen zurück­fordern: Die „Afghanin­nen und Afgha­nen genießen inzwis­chen eine deut­lich verbesserte Mei­n­ungs- und Presse­frei­heit.“ Na toll!

Also anders als in Deutsch­land, dachte ich als erstes. Die neue Stan­dard­meth­ode von Jour­nal­is­mus scheint die Kam­pagne zu sein, wie es derzeit der bloße Mitwiss­er von allesdichtmachen.de, Paul Bran­den­burg, durch den einst lib­eralen Tagesspiegel erleben muss. Mit dem bekan­nten Arzt disku­tierte ich let­zten Son­ntag bei INDUBIO. Und bei der ver­femten Autora­dio-Fam­i­lie han­delt es sich keineswegs um die von Jan Josef Liefers, Volk­er Bruch, dem Weimar­er Richter Chris­t­ian Dettmar oder Hamed Abdel-Samad, dem islamkri­tis­chen deutsch-ägyp­tis­chen Poli­tik­wis­senschaftler, der einen ständi­gen Polizeis­chutz benötigt. Nein, die ach so armen Ver­fol­gten sind die ach so harm­losen ara­bis­chen Clans. Deutsch­er Jour­nal­is­mus vom Feinsten.

Doch ganz so blöd ist das Volk nun auch wieder nicht, wie die Herrschen­den es von Alters her so gerne hät­ten. Der Liefers-Tatort hat­te am Son­ntag die höch­ste Ein­schaltquote seit vier Jahren. Alle woll­ten diesen ach so undemokratis­chen Klassen­feind und Staatsver­räter unbe­d­ingt (noch mal?) sehen. Wen sie nicht sahen, war sein Fre­und, den realen Patholo­gie-Pro­fes­sor Michael Tsokos. Er wurde von der ach so demokratis­chen Sendeanstalt ein­fach mit dem redak­tionellen Skalpell seziert. Seine paar Sätze wur­den nach­syn­chro­nisiert und durch eine bloße Hin­ter­an­sicht erset­zt. Klar, an Liefers traut man sich derzeit (noch) nicht heran.
Hat­te der doch so etwas Unverzeih­lich­es gesagt, das eigentlich sofort zurückgenom­men wer­den muß: „Zwei und zwei sind vier. Auch wenn die AfD das sagt!“

Zeit zum Lesen
“Tichys Ein­blick” — so kommt das gedruck­te Mag­a­zin zu Ihnen

Seit gestern ist die Kam­pagne gegen seinen Kol­le­gen Volk­er Bruch wegen „Pak­tierens mit dem Klassen­feind“ ange­laufen, wie Liefers es iro­nisch nen­nen kön­nte als „gel­ern­ter DDR-Bürg­er“. Der Träger des Deutschen Fernseh­preis­es zeigt doch tat­säch­lich Sym­pa­thien, wenn nicht für Quer­denker, dann für Kri­tik an den Coro­na-Maß­nah­men der Poli­tik. Und Bruch hat­te eine Haup­trol­le bei „Baby­lon Berlin.“ Pfui, sowas ist ja tausend­mal schlim­mer als der Leibhaftige.

Man muss sich also über­legen, was man sagt. Man wird ja schließlich nicht redak­tionell so „beschützt“ wie die Araber-Clans und genießt nicht solche „Mei­n­ungs­frei­heit wie die Afghanin­nen und Afgha­nen“. Selb­st der ein­stige Fels in der Polizei, Gew­erkschaftschef Rain­er Wendt, fordert jet­zt ein generelles Ver­bot der Querdenker-Demos.

Das mit der Mega-Giga-Tatort-Quote macht einen dann doch nach­den­klich. War es etwa ein Wer­be­gag der ARD, Liefers und Co. durch den Dreck zu ziehen? Die ein­stige frei­heitliche Arbeit­er­partei SPD wollte ihn via Gar­relt Duin im Rund­funkrat sog­ar kalt­stellen. Berufsver­bot à la Wolf Bier­mann, wie es der linke Ste­fan Aust zu recht in der WamS analysierte. Bei ein­er WDR-Inter­viewfrage fühlte sich Liefers „wie vorm Zen­tralkomi­tee in der DDR.“ Also: entwed­er war das (bil­lige) Wer­bung zu Las­ten der (nicht ara­bis­chen) Fam­i­lie Liefers, oder der Ver­such der Ver­nich­tung. Let­zteres ist nicht gelun­gen. Im Gegenteil.

Und es wird auch nicht gelin­gen, wenn kreuz- und quer­denk­ende Men­schen (das war doch mal eine Rit­ter­schlags-Beze­ich­nung) sich nicht mund­tot machen lassen.

Klar, Kol­le­gen wie Roland Tichy mussten Schaden bis in die beru­fliche Exis­tenz erfahren. Man war plöt­zlich nicht mehr der unum­strit­tene König des Wirtschaft­sjour­nal­is­mus, als hätte man über Nacht den Ver­stand ver­loren. Und ein Friedrich Merz (ver­meintlich­er Ret­ter der Laschet-CDU wie nun auch ange­blich Hans-Georg Maaßen) war doch der erste, der Tichy bis aufs Äußer­ste bekämpfte – obwohl das doch alles gar nicht so gewe­sen und „nicht gegen Tichy per­sön­lich gerichtet“ gewe­sen sei, wie Merz selb­st dann zu einem späteren Zeit­punkt lavierte.

All das schon vergessen?!

Wir haben jedoch alle die gle­iche Erfahrung gemacht: Man hat manche Fre­unde ver­loren, dafür viele, viele neue gewon­nen. Die alten waren dem­nach nie richtige, und die neuen hal­ten fest zusam­men, weil es zum Beispiel die DDR-Erfahrung lehrt: Bedro­hung schafft Sol­i­dar­ität. Und immer mehr kom­men aus ihren ängstlichen Mauselöch­ern, weil sie den Ungeist der Stig­ma­tisierung von Kri­tik­ern, der Ide­ol­o­gisierung der Medi­en oder der Instru­men­tal­isierung der Wis­senschaft durch die Herrschen­den nicht mehr ertra­gen. Ich sehe das schlicht an meinen Buchau­fla­gen. Und es ist für mich ein Rit­ter­schlag, wenn es bei TE von Lesern oft­mals heißt: „Ich habe den Hahne immer unterschätzt.“

Talk-Par­ty mit Palmer, Kubic­ki und Liefers
Jan Josef Liefers bei Ill­ner: “Wenn ich sage 2+2=4, ist das richtig, auch wenn jemand von der AfD zustimmt”

Meine Erfahrung, sor­ry, Ihr Wes­sis: Der meiste und nach­haltig­ste Wider­stand kommt aus Mit­teldeutsch­land, von den Ossis. Ein Liefers hält aus und durch, eine Folk­erts springt schnell ab (sog­ar im Pro­pa­gan­dasekretärin­nen-Slang: „Die Aktion war unverzeih­lich“). Zu solchen „unverzeih­lichen“ Aktio­nen ste­hen jedoch die, die nicht im west­lichen Wohl­stand gepam­pert wur­den. Roman Her­zog meinte mal zu mir, unvergessen: „Uns hier geht es immer noch zu gut.“ Stand­fest dage­gen Leute wie jen­er tapfere uck­er­märkische Pfar­rer Thomas Dietz, der hier bei TE von der ersten großen Berlin­er Quer­denken-Demo berichtete und jet­zt an der Seite der vie­len „Liefers“ läuft.

Heute mailt mir der Dietz-Kol­lege Johannes Holmer aus Meck­len­burg, Sohn des DDR-Pfar­rres Uwe Holmer, der welt­bekan­nt wurde, als er nach dem 9. Novem­ber 1989 das Dik­ta­toren-Pärchen Honeck­er in sein Haus auf­nahm. Er hält seine Gottes­di­en­ste nach wie vor öffentlich, mit Sin­gen und allem, was Kirche ausmacht.

Von über­all her strö­men die Besuch­er, auch Athe­is­ten bewegt die unge­broch­ene Tapfer­keit dieses Gottes­man­nes. Vor ein paar Tagen mailte er mir: „Etliche Ver­wandte waren vor 3 Wochen ger­ade beim let­zten Film­dreh mit Liefers für „Honeck­er und der Pas­tor“ in Babels­berg. Wir ken­nen Liefers als sehr fre­undlichen Men­schen. Ich habe ihm schon vor dem medi­alen „Sturm“ direkt geschrieben. Es ist schon trau­rig zu sehen, wie manche sofort „den Schwanz einziehen“, wenn es Gegen­wind gibt. Aber die Leute fürcht­en halt alle um ihre Zukun­ft. Liefers ken­nt das ja alles von früher…“

*Woke­sTränchen­Quetsch*
Nach Boykott-Aufrufen Top-Quoten für Tatort mit Liefers

Beim Wider­stand gewin­nt wenig­stens das Gewis­sen, Rück­zug ist Ver­lust von Per­sön­lichkeit. „Wider­spruch ist Bürg­erpflicht“ las ich auf einem Kirchen(!)-Plakat in der ARD-Serie „Weißensee“. Sowas gab es tat­säch­lich mal bei Kirchens. Soll das alles vergessen sein? Es sind die kleinen Dinge, und seien es Leser­briefe, eine Halb­stun­den-Investi­tion. Ich habe es zum Beispiel mit nur einem einzi­gen Leser­brief und einem anschließen­den Inter­view mit erre­icht, dass das Monopol­blatt des deutschsprachi­gen Wal­lis, der „Wal­lis­er Bote“, mit der Nar­retei der Gen­der-Sprache aufhörte. Oder Nach­barn liefen Sturm gegen die Änderung eines Straßen­na­mens. Liefers-Fans schal­teten massen­haft den „Tatort“ ein. Die Inter­net-Foren explodieren vor Sol­i­dar­ität mit ver­femten Wis­senschaftlern. Aus­gestoßene Jour­nal­is­ten haben Erfolg mit ihren Blogs. Demon­stri­erende Eltern wie im Erzge­birge ret­ten ihren Kindern den Schulbe­such und die Masken­frei­heit…..Und die Herrschen­den haben jet­zt schon Panik vor der näch­sten Land­tagswahl am 6. Juni in Sach­sen-Anhalt. In Berlin weiß man um den Unter­gang. Die „Oper­a­tion Abend­sonne“ mit unzäh­li­gen hochdotierten Min­is­teri­ums-Posten sagt alles! Ja, wie sagte Israel-Grün­der David Ben Guri­on einst so richtig gegen alle Res­ig­na­tion: „Wer nicht an Wun­der glaubt, ist kein Realist.“


 

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