Die Herrschaft der Angst – und wie sie gebrochen werden kann

So 9. Mai. 2021 | Politik und Medien, Angepinnt

Weitere Artikel:

Quelle: tichyseinblick.de

Angst lässt sich seit jeher poli­tisch gut miss­brauchen. Das Urge­fühl der Angst kann let­ztlich nur durch eine ent­ge­genge­set­zte Urkraft gebrochen wer­den. Der christliche Glaube und die göt­tliche Gebor­gen­heit im Leben und im Ster­ben kön­nen aus der Knechtschaft der Angst befreien.

Mit Angst lässt sich wun­der­bar Macht ausüben. Der Nation­al­sozial­is­mus etwa hat­te das Angst­nar­ra­tiv „Volk ohne Raum“ groß gemacht. „Volk ohne Raum“ – das hörte sich damals nach Lebens­mit­telk­nap­pheit und Hunger an. Und das verängstigte viele Zeitgenossen, die die Wirtschaft­skrisen der 1920er Jahre mit allem Elend in den Knochen hat­ten. Gegen solche Uräng­ste kommt kein vernün­ftiges Denken an. Die durch­schnit­tliche Kinderzahl in Deutsch­land pro Frau war seit 1910 rapi­de gesunken; Anfang der 1930er Jahre fiel die Fer­til­ität­srate sog­ar unter zwei Kinder pro Frau; damit wäre Deutsch­land schon damals langfristig auf eine abnehmende Demogra­phie zuges­teuert. Zudem stiegen die Erträge der deutschen Land­wirtschaft jährlich mit enor­men Wach­s­tum­srat­en durch die Erfolge der Agro-Chemie, die in dieser Zeit ihren Sieges­lauf begann.

„Volk am reich gedeck­ten Tisch“ – dieser Slo­gan wäre 1933 also eigentlich vernün­ftig gewe­sen. Aber was ist die Ver­nun­ft gegen die exis­ten­tiellen Uräng­ste von Hunger­snöten? Und so haben die Nation­al­sozial­is­ten mit dem dama­li­gen Angst­nar­ra­tiv „Volk ohne Raum“ die Massen emo­tion­al gefan­gen genom­men und damit ihre mil­itärische Expan­sion­spoli­tik vor­bere­it­et. Die Herrschaft der Angst lässt sich wun­der­bar für eigene poli­tis­che Zwecke instrumentalisieren.

Zeit zum Lesen
“Tichys Ein­blick” — so kommt das gedruck­te Mag­a­zin zu Ihnen
Auch heute spie­len Äng­ste in der Poli­tik eine zen­trale Rolle. Die aufgerei­ht­en Särge in Berg­amo; eine verzweifelt sich zu Tode hus­tende junge Frau mit­ten auf ein­er Straße in Indi­en; Bilder aus Inten­sivs­ta­tio­nen, wo Men­schen um ihre Leben kämpfen; dazu eine Inten­sivkranken­schwest­er, die völ­lig über­ar­beit­et in Trä­nen aus­bricht – jed­er empathis­che Men­sch, der so etwas sieht, erstar­rt in Mit­ge­fühl und Angst, zumal er im Hin­terkopf hat, dass seinen Lieben oder ihm selb­st auch Ähn­lich­es zus­toßen könnte.

Dage­gen helfen keine vernün­fti­gen Ein­wände; etwa dass es in Deutsch­land 2020 mit der Pan­demie doch nicht so bru­tal schlimm gewe­sen sein kann, wenn auch im let­zten Jahr wieder zehn Kliniken bun­desweit für immer geschlossen wur­den. Doch gegen Uräng­ste haben Ver­nun­ft und Wahrschein­lichkeitssta­tis­tiken kaum eine Chance.

Dann die anderen bei­den großen Zeit­geist-Angst-Trig­ger: die Angst vor der „Kli­makatas­tro­phe“ – wenn wir heute nicht radikal unser Leben und Wirtschaften ändern, dann wer­den wir über­mor­gen alle „geröstet, getoast­et und gegrillt“ (Chris­tine Lagarde 2017); die Angst vor dem Nation­al­sozial­is­mus – wenn wir heute nicht „Brand­s­tifter“ wie Hans-Georg Maaßen oder die „Schwe­fel­partei“ kon­se­quent aus­gren­zen, dann liegt ganz Deutsch­land über­mor­gen wieder in faschis­tis­ch­er Asche.

Die Machthaber hegen und pfle­gen solche aufge­heizten Angst­szenar­ien, denn diese lassen sich knall­hart für eigene Inter­essen instru­men­tal­isieren. So kon­nten während der „drit­ten Welle“ zen­trale und bewährte Säulen des bun­des­deutschen Rechtsstaates zer­stört worden:

  • die Auflö­sung der deutschen Finanzho­heit, indem die EU-Schulde­nunion vol­len­det wor­den ist („Eigen­mit­telb­schluss-Rat­i­fizierungs­ge­setz“, 25.3.2021)
  • das Schleifen des bewährten bun­des­deutschen Föder­al­is­mus durch die zen­tral­is­tis­che „Bun­desnot­bremse“ (23.4.2021), die oben­drein die Rechtsmit­tel der Bürg­er erhe­blich einschränkt
  • die Unterord­nung der indi­vidu­ellen Grun­drechte unter den Kli­maschutz, indem das Bun­desver­fas­sungs­gericht die Grundw­erte nicht mehr dialek­tisch in Span­nung hält, son­dern sie ein­deutig hier­ar­chisiert und damit erk­lären kann, dass „gravierende Frei­heit­sein­bußen… zum Schutz des Kli­mas ver­hält­nis­mäßig und gerecht­fer­tigt“ sein kön­nen (24.3.2021 / 29.4.2021).

Ist es über­trieben, wenn ich behaupte, dass mit­ten in der Coro­na-Angst mit diesen drei Par­a­dig­men­wech­seln inner­halb von sechs Wochen unser Grundge­setz aufs Kreuz gelegt wurde?

Unter der Knechtschaft der Angst lässt sich ein Volk solche gravieren­den Ein­schnitte erstaunlich blind und gehor­sam gefall­en. Es gibt eine Angst, die in die Unfrei­heit führt.

An manchen Tagen kön­nte ich verzweifeln.

Und dann bin ich plöt­zlich mit­ten drin in meinen eige­nen Äng­sten: Dass durch manche irra­tionalen Coro­na-Maß­nah­men Men­schen und wirtschaftliche Grund­la­gen zer­stört wer­den; dass im Kampf gegen „Rechts“ jed­er Dia­log erstickt wird; dass auf dem Altar der Klimahys­terie die bürg­er­lichen Frei­heit­en geopfert wer­den, die das Herz unser­er Demokratie ausmachen.

Aber an manchen Tagen freue ich mich, weil doch einige Men­schen das Macht­spiel mit der Angst durch­schauen. Sie haben erkan­nt, wie ihre Äng­ste poli­tisch miss­braucht wer­den, um die Macht­fülle der Parteien und des Staates auf Kosten der Grun­drechte zu steigern. Und dann freue ich mich über jeden, der im großen oder im kleinen auf­ste­ht und ein „Nein“ wagt. Es gibt eine Angst, die in die Frei­heit führt.

Es gibt gute Argu­mente gegen die Knechtschaft der Angst. Und doch reichen gute Argu­mente alleine nicht aus. Das Urge­fühl der Angst kann let­ztlich nur durch eine ent­ge­genge­set­zte Urkraft der Gebor­gen­heit gebrochen wer­den. Nur mit echter Gebor­gen­heit kön­nen Äng­ste auf emo­tionaler Ebene eingedämmt werden.

Hier kommt für mich mein christlich­er Glaube ins Spiel. Im Tun­nel der Angst darf ich mich an der Hand meines Vaters wis­sen. Darauf kann ich mich ver­lassen, selb­st wenn meine eigene Hand vor Angst erstar­rt ist, so dass ich Gottes Hand kaum noch spüre. Diese göt­tliche Gebor­gen­heit im Leben und im Ster­ben kann mich aus der Knechtschaft der Angst befreien.

Jesus Chris­tus spricht: „In der Welt habt ihr Angst. Aber seid get­rost, ich habe die Welt über­wun­den“ (Johannes 16,33).

Pin It on Pinterest