Der erfundene “Reichstags-Sturm”: Hier die wahre Geschichte

Mo 31. Aug. 2020 | Politik und Medien

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Quelle: reitschuster.de

Gegen halb fünf Uhr habe ich heute hier die Geschichte über die Merkwürdigkeiten beim angeblichen Reichtagssturm veröffentlicht. Auslöser der Schlagzeilen, die um die Welt gingen, war ein Video. Mit dessen Hilfe wurde bei unzähligen Menschen der Eindruck erweckt, eine Stürmung des deutschen Parlaments durch Rechtsextreme habe unmittelbar bevor gestanden und sei nur durch ein halbes Wunder bzw. den heldenhaften Einsatz von drei (!) Polizisten verhindert worden, wie es etwa im Tagesspiegel suggeriert wurde. Was schon in sich ein Widerspruch ist, aber das scheint vielen Journalisten nicht aufzufallen.
Als ich aufwachte, bekam ich diverse Hinweise darauf, dass mit dem Video etwas nicht stimmt. Es wurde von „Antifa Zeckenbiss“ ins Internet gestellt und millionenfach abgerufen. Der gleiche offenbar linksextreme Twitter-Account, der bereits mit dem so genannten „Hetzjagden“-Video von Chemnitz weltweit Schlagzeilen produzierte und Deutschland als Land darstellte, in dem schreckliche ausländerfeindliche Umtriebe herrschen. Schon damals ergaben Recherchen von „Tichys Einblick“: Das Video war manipulierend aus dem Zusammenhang gerissen. Es vermittelte einen völlig falschen Eindruck (nachzulesen hier).

Auch dies­mal ist das Video von „Zeck­en­biss“, das um die Welt ging, entstel­lend. Ich habe das Orig­i­nalvideo gefun­den und so mon­tiert, dass Sie genau sehen kön­nen, wo es geschnit­ten wurde (per Link hier). Auf diese Weise kön­nen Sie sich einen Ein­druck machen, wie hier verkürzt wird. Inter­es­sant ist auch, wie zuvor eine Red­ner­in auf ein­er Kundge­bungs-Tribüne direkt nebe­nan zu der Aktion aufgerufen hat (anzuse­hen hier).

Ich will die Szenen, die dort zu sehen sind, keines­falls schönre­den oder recht­fer­ti­gen. Ein aggres­siv­er Ansturm auf ein Gebäude und davor posi­tion­iere Polizis­ten ist durch nichts zu recht­fer­ti­gen. Wenn es sich bei dem Gebäude um das Par­la­ment han­delt, wiegt das noch schw­er­er. Ohne Wenn und Aber muss hier gel­ten: Solche Szenen sind unschön und zu verurteilen. Und auch eine Rel­a­tivierung damit, dass die Polizei bei der Anti-Ras­sis­mus-Demo Anfang Juli in Berlin auf eine ganz andere Art attack­iert und mit Faschen bewor­fen wurde, ver­bi­etet sich. Über solche Tumulte muss sehr kri­tisch berichtet werden.

Aber sie soll­ten auch nicht als hal­ber Putsch überze­ich­net wer­den. Deshalb finde ich es wichtig, es deut­lich zu machen, dass die Wieder­gabe in den Medi­en manip­ulierend ist. Und das, obwohl jed­er Jour­nal­ist mit etwas Mühe das Orig­i­nalvideo find­en kann. Auf dem Video ist etwa zu sehen, wie Teil­nehmer selb­st ver­suchen, zu deeskalieren, und dass von der Gefahr eines „Sturmes“ des Reich­stags ganz offen­sichtlich nicht die Rede sein kann. Ja das nachträgliche Her­beibeschwören dieser Gefahr durch die Medi­en wirkt mehr als fragwürdig.

Erstaunlich ist auch, dass auf einem anderen Video, das eben­falls die ganze Szene zeigt, kurz zuvor zu sehen ist, wie Polizeikräfte auf der vom Reich­stag abge­wandten Seite der Tribüne auf dem Gras ste­hen, wo es deut­lich weniger zu schützen gibt als am Reich­stag, der zu diesem Zeit­punkt offen­bar schlecht geschützt war (siehe hier). Der Urhe­ber des Videos, ein youtu­ber namens „Aktivist Mann“, schreibt in seinem Text zu dem Video: „Diese meine Auf­nah­men wur­den nach­weis­lich von BILD, WELT, der Antifa usw. ver­wen­det. Dann noch GESCHNITTEN und Polizeige­walt zen­siert! Es wird eine Klage dage­gen geben.“

„Aktivist Mann“ war dem Video nach zu urteilen selb­st Teil­nehmer der Ereignisse und von diesen, soweit man es dem Video ent­nehmen kann, auch sehr ange­tan: Er schre­it zu Beginn begeis­tert: “Das ist der Wahnsinn!” Deshalb wählte er wohl auch den völ­lig irreführen­den Titel „Stür­mung des Reich­stages“. Offen­bar war das sein Wun­sch bzw. seine Inter­pre­ta­tion. Man kann sich das nicht aus­denken: Ein Aktivist und Teil­nehmer verk­lärt einen Tumult vor dem Par­la­ment zum „Sturm“ des­sel­ben, und linke Jour­nal­is­ten übernehmen das dankbar, und es geht um die Welt, und kommt bei vie­len an wie ein knapp gescheit­ert­er Putschver­such. Es wäre fast schon komisch, wenn es nicht so tragisch wäre und die Fol­gen und die Irreführung der Men­schen nicht so massiv.

Das Orig­i­nal-Video wurde nur knapp 7000 mal angek­lickt. Das manip­ulierende „Antifa Zeckenbiss“-Video mil­lio­nen­fach. Ein FPD-Poli­tik­er forderte, die Beamten mit dem Bun­desver­di­en­stkreuz auszuze­ich­nen, und die brachte „das groß als Schlagzeile, und nan­nte die Polizis­ten dabei “Helden-Polizis­ten“.

Bei allem Respekt vor den Polizis­ten und ihrem beherzten Ein­satz –  ver­gle­ichen Sie diese Medi­en­wieder­gabe bitte mit dem Video und sehen Sie es sich selb­st an:

PS: Ein Leser schrieb mir: “Es waren min­destens 10 Polizis­ten und immer wieder wurde ihnen gerufen „kein­er will Euch was“, sowie erhobene Hände seit­ens der Demon­stran­ten. Meine Frau und ich waren bis 15:30 auch auf der Haupt­de­mo und saßen gegen 14:00 im Berlin Pavil­lons nebe­nan im Tier­garten. Von dort hörten wir den Lärm der „Reich­stags­de­mo“ — die Quer­denken Demo war völ­lig getren­nt davon (aber das wis­sen sie ja selb­st) zusät­zlich noch durch ein engen Kor­dons von Polizeimannschaftswa­gen getren­nt. Siehe Fotos. Was die Medi­en daraus machen: Ungeheuerlich!”

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Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chi­ne­sis­ches Sprich­wort. In Deutsch­land 2020 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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