Ver­öf­fent­licht am

Je brü­chi­ger die Erzäh­lung von der Coro­na-Pan­de­mie, des­to stär­ker wird sie von der Regie­rung, den regie­rungs­treu­en Medi­en und den wil­li­gen Hel­fern unse­rer Poli­ti­ker ver­tei­digt. Dabei spie­len man­gels Argu­men­ten Dif­fa­mie­run­gen eine immer grö­ße­re Rol­le. Es scheint eine Art Kor­re­la­ti­on zu geben zwi­schen der Absur­di­tät der ver­ord­ne­ten Maß­nah­men und der Schär­fe der Ver­bal­at­ta­cken gegen jede auch nur lei­se Kri­tik. Wenn man, wie ich, ein­fach die eige­ne Beob­ach­tung beschreibt, dass Schü­ler, die in der Schu­le mit allen mög­li­chen und unmög­li­chen Maß­nah­men auf Abstand gehal­ten wer­den, sofort nach der Schu­le eng zusam­men­rü­cken, ist das, „brau­ner Dünn­pfiff“. Ohne Naz­i­keu­le geht es anschei­nend nicht mehr.

Am ande­ren Ende der Ska­la steht der Umgang mit einem Regie­rungs­be­am­ten, der sei­ner im Beam­ten­recht fest­ge­leg­ten Remons­tra­ti­on (§ 63 BBG und § 36 BeamtStG) nach­kommt und die Recht­mä­ßig­keit der von der Regie­rung ver­häng­ten Coro­na-Schutz­maß­nah­men, an deren Recht­mä­ßig­keit er berech­tig­te Zwei­fel hat, über­prüft, und ent­las­sen wird. Dem ent­spre­chen die Maß­nah­men der Poli­zei gegen Men­schen, die mit dem Grund­ge­setz in der Hand auf der Stra­ße ste­hen und damit in der unnach­ahm­li­chen Spra­che der Ber­li­ner Poli­zei „Ver­samm­lungs­cha­rak­ter ent­fal­ten“ und abge­führt wer­den. Grund­ge­set­ze, die öffent­lich aus­ge­legt wer­den, damit Pas­san­ten sie ein­se­hen oder mit­neh­men kön­nen, wer­den als unan­ge­mes­se­ne Mei­nungs­äu­ße­rung ein­ge­sam­melt. So gesche­hen in Ber­lin und etli­chen andern Orten.

Damit sind wir beim Ver­fas­sungs­ver­ständ­nis ange­langt, das für die DDR typisch war. Im Janu­ar 1988 wur­de ich ver­haf­tet, weil ich mit einem Trans­pa­rent, auf dem der Beginn von Arti­kel 27 der DDR-Ver­fas­sung stand, demons­trier­te. „Jeder hat das Recht, sei­ne Mei­nung frei und öffent­lich zu äußern“. Ich hät­te mir in mei­nen schlimms­ten Alb­träu­men nicht vor­ge­stellt, dass sich so etwas im ver­ein­ten, demo­kra­ti­schen Deutsch­land wie­der­ho­len könn­te. (Wei­ter­le­sen)

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